Julius Cocuz hat seine Wurzeln Gefunden

Neutraubling …, 29 Marz 2002

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Die Fabelwesen des Julius Cocuz

Mittelbayerische, 21 Oktober 2016

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Aus Fundholz schält der Neutraublinger wundersame Geschöpfe heraus. Derzeit stellt er seine Werke bei Thalia aus.

Neutraubling.

Aus einem schlanken Körper reckt sich über einem langen Hals vorwitzig ein Köpfchen in die Höhe. Der lange Schnabel streckt sich dem Betrachter entgegen. Kein Zweifel, eine Bekassine hat der Künstler hier geschaffen. Daneben steht eine Art Hahn auf einem Podest und vermittelt den Eindruck, als ob er sich in vollem Lauf befinden würde. Federn und Kamm wirken wie in Bewegung nach hinten geblasen.

Weder diese beiden Figuren noch die vielen anderen Wesen, die derzeit eine Ausstellung in der Thalia-Buchhandlung im Donaueinkaufszentrum bevölkern, sind von menschlicher Hand in ihrer Form verändert worden. Die Natur hat die hölzernen Objekte so geschaffen. Der Neutraublinger Julius Cocuz hat mit seiner Fantasie „nur“ entdeckt, welche Gestalt in den Fundstücken aus dem Wald innewohnt, sagt er bescheiden.

Die Natur mit Fantasie unterstützt

In die richtige Position gebracht, entrindet, mit dem Dampfstrahler von Moos, Insekten und Pilzen befreit, geschliffen, lackiert und auf kleine Postamente gestellt, verwandelt sich ein Stück totes Holz in ein Wärme ausstrahlendes, tanzendes, sich biegendes oder reckendes Fabelwesen. „Die Natur hat viel daran gearbeitet“, erklärt der Endfünfziger. „Ich habe es nur ergänzt.“ Dieses Leben, das Cocuz seinen Wesen mit der Transformation einhaucht, ist Kunst, ganz klar. Auch wenn er das Holz nicht wie ein Bildhauer mit Stemmeisen, Hammer und Schnitzmesser bearbeitet.

Der Deutschstämmige aus den Karpaten, der seit mehr als 15 Jahren in der Gärtnersiedlung wohnt, geht mit seiner Frau Juliane „achtsam“ durch den Wald, sagt er. Von den gemeinsamen Streifzügen im Burgweintinger Holz oder am Keilberg bringt er immer mal wieder einen abgebrochenen Ast oder ein moderndes Stück Wurzel mit. Oder er entdeckt bei Freunden ein interessantes Stück, wenn sie Brennholz herrichten. „Früher musste eine Figur immer Arme und Beine haben, wenn sie mich interessieren sollte.“ Inzwischen richtet sich sein Auge am Waldboden auch auf abstraktere Objekte. Seine Frau hat Gefallen an der ungewöhnlichen Freizeitbeschäftigung ihres Mannes gefunden. Bei den Spaziergängen entwickelt auch sie Ideen, welches Wesen im Totholz verborgen sein könnte.

Die Bearbeitung der hölzernen Objekte ist ihrem Mann vorbehalten. In der Garage und im Keller schält der Elektroingenieur in seiner Freizeit Stück für Stück die verborgene Gestalt heraus. Seit vielen Jahren arbeitet der beruflich auswärts tätige Cocuz in seiner knappen Freizeit an den Figuren. Immer, wenn sich eine Gelegenheit ergibt, geht er seinem Hobby nach, mal monatelang nicht, mal mit Feuereifer mit wenigen Pausen. Inzwischen macht er aus den Fundstücken auch Lichtobjekte. Für die versteckten Kabel wird nicht gebohrt. Die Gänge hat die Natur selbst geschaffen.

Die erste Ausstellung überhaupt

Vielleicht an die 50 Figuren mag Cocuz geschaffen haben, so genau weiß er es nicht. Ein finanzielles Interesse verbindet er mit seinen Werken nicht. Er hat weder ein Stück verkauft noch eines verschenkt. Wer weiß denn schon, ob man mit einem solchen Geschenk anderen Menschen eine Freude macht, meint er zurückhaltend. „Ich mache das nur für mich selbst.“ Weil jedes Stück ein unwiederbringliches Unikat ist, behält Cocuz bisher alle Objekte noch bei sich. Auch wenn das Regal im Wohnzimmer der Familie Cocuz sogar ohne die Ausstellungsstücke aus der Thalia-Buchhandlung prall gefüllt ist.

Die Werkschau unter dem Titel „Natur Kunst“ in der Buchhandlung ist übrigens für Julius Cocuz seine erste überhaupt. Seine empfindlichen Objekte könnte er sich nicht in einer Ausstellung vorstellen, wo fremde Hände womöglich seinen empfindlichen Stücken Schaden zufügen könnten. Die den Blicken geöffnete, aber unzugängliche Kunstinsel bei Thalia im DEZ schien ihm aber ein geeigneter Platz.

Inzwischen würde er sogar öfter ausstellen. Am liebsten in Kombination mit anderen Kunstwerken. Voraussetzung ist natürlich, dass die filigranen Vögel und Fabelwesen gut geschützt sind.